Protect your Highlights

Es ist der dritte Tag nach Weihnachten. Ein Sonntag. Und wir befinden uns in einer Situation, die völlig neu für uns alle ist. Corona. “Lockdown”. Eine Situation, die mit Aufs und Abs nun schon seit gut 10 Monaten anhält.

Mein Leben hat sich dahingehend geändert, dass ich nun nicht mehr 3-5 mal im Monat in der Welt unterwegs bin. Anders als zuvor bin ich jetzt nahezu dauerhaft Zuhause. Wenn ich Glück habe, fliege ich einmal im Monat. Heute weiß ich aber schon, dass ich im Januar keinen einzigen Flug haben werde.

Ich habe keine Aufgabe. Ich treffe so gut wie keine Menschen, was ich im Grunde nicht so schlimm finde, da ich sehr gut alleine zurecht komme. Aber die sozialen Kontakte, die ich auf den Flügen habe, fangen an, mir mehr und mehr zu fehlen.

Könnte ich wie im Sommer zum Sport gehen, auf dem Balkon sitzen, mich an der frischen Luft und Sonne aufhalten, dann wäre es einfacher. Aber nun sitze ich mit dem iPad in der Küche und schaue ein Video. Ein Video eines englischen Fotografen mit dem Titel “Protect your highlights: A lesson for Light and Life”.

Wir neigen dazu, negativen Gedanken und Erlebnissen mehr Raum und Aufmerksamkeit zu geben als positiven. So auch ich. Das war mal anders, aber zur Zeit beobachte ich das zunehmend auch bei mir.

Weihnachten (freiwillig) alleine Zuhause anstatt mit Kollegen irgendwo in der weiten Welt wie die letzten Jahre, Dunkelheit und Kälte draußen vor der Türe, keinen Flug in den nächsten Wochen, weiter Corona-Beschränkungen, wenn man die Wohnung verlässt, und eher steigende als sinkende Infektionszahlen. Negative Gedanken und Nachrichten beherrschen uns.

Das sollten wir ändern. Auch wenn vieles gerade nicht schön ist, wir uns Sorgen machen, wir vielleicht auch Angst vor der Zukunft oder Corona haben, gibt es dennoch so viel Schönes in unserem Leben. Was das für den einzelnen ist, muss jeder für sich herausfinden. 

Aber neben der Tatsache, dass ich ein schönes Dach über dem Kopf habe, mein Kühlschrank voll ist und voll bleiben wird, da ich jederzeit einkaufen gehen kann, ich meinen Job behalten kann, gesund bin und die Wohnung verlassen darf, gibt es auch kleine Dinge, die mir Freude bereiten. So wie die Amaryllis, die ich die letzten Tage immer wieder fotografiert habe. Nicht nur die Amaryllis, sondern auch der Vorgang des Fotografierens, Bearbeitens und die fertigen Fotos bereiten mir jeden Tag Freude.

Diesen positiven Dingen möchte ich wieder mehr Raum geben. Nicht nur bei meinen Fotos möchte ich auf die Highlights achten, sondern auch in meinem Leben. Es hat mir schon einmal durch eine schwere Zeit geholfen.